Die Krankenhaus-Fachabteilung der Inselklinik Heringsdorf / Haus Kulm 
VORGESTELLT VON EINER EHEMALIGEN PATIENTIN FÜR PATIENTEN
... denn mit einem Tagebuch kann man nämlich nicht: ??? HULCKSEN

Oskars Senf

 Ich bin's schon wieder, der Oskar! Bevor meine Andrea dich ein bisschen in ihrem Tagebuch schmökern lässt, musst du erst einmal meinen "Senf" lesen. Den muss ich nämlich überall dazu geben, sagt zumindest meine Lisa.

Also das Tagebuch, das ist sowas wie der zweite Co-Therapeut für meine Andrea, auch wenn es schon da war, als ich noch "Quark im Schaufenster" war. Aber klar ist doch natürlich, dass meine Andrea dem Tagebuch zwar alles anvertrauen kann - so wie mir - aber eines kann so ein Tagebuch nicht leisten: Mit einem Tagebuch kann man nicht kuscheln, wenn man wieder einmal traurig ist und sich von aller Welt verlassen und unverstanden fühlt. Und deshalb bin ich wohl, trotz meiner späteren Ankunft bei meiner Andrea, Co - Therapeut Nr. 1, da kann das Tagebuch protestieren wie es will!

Vor einiger Zeit habe ich mal klammheimlich im Tagebuch meiner Andrea geschnüffelt, obwohl ich natürlich weiß, dass man so etwas nicht macht. Aber ein bisschen war ich schon neugierig, was meine Andrea da so Tag für Tag in die kleinen schmalen Heftchen schreibt, die sie ständig mit sich rumträgt. Jedenfalls ist mir beim Schmökern klar geworden, dass meine Andrea das Tagebuch ganz schön dringend braucht, denn ihr fällt es nach wie vor schrecklich schwer, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, sich mitzuteilen, das, was sie jahrzehntelang mit sich rumgetragen hat, endlich raus zu lassen, auch wenn sie inzwischen schon zu manchen Menschen relativ viel Vertrauen hat. - Mir fallen da sofort die Frau Dr. Kyber aus Heringsdorf und auch die Frau Hahn, Frau Hickstein und auch Frau Paetow aus dem gleichen schönen Örtchen an der Ostsee ein!

Na ja, jedenfalls hat meine Andrea während ihres ersten Klinikaufenthaltes angefangen, Tagebuch zu schreiben, und das tut sie heute noch. Aber dazu will sie selbst noch etwas sagen. Du solltest jetzt also auf jeden Fall erst einmal die "Einführung" lesen, auch wenn du vielleicht sonst solche Abschnitte gern weglässt!

Also dann tschüs, bis bald!

Dein Oskar 




"Oh Gott, was hast du da geschrieben!",

denke ich heute manchmal, wenn ich in meinen Tagebüchern blättere.

Und doch habe ich mich nun dazu entschlossen, einige Auszüge daraus auf dieser Webseite zu veröffentlichen. In erster Linie ist es ein Gedanke, der mich dazu gebracht hat: Ich möchte den Menschen Mut machen, die derzeit gleiche oder vielleicht auch "nur" ähnliche Erfahrungen mit sich sammeln, wie ich sie mit mir machen musste.


Ich bin durch den physischen und dann auch psychischen Zusammenbruch urplötzlich aus meiner Welt gerissen worden, die für mich zu 98 % aus meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrerin bestand. Mir wurde erst lange nach meinem Zusammenbruch klar, dass ich ein Workaholic war, zu dem ich mich "aus gutem Grund" (???) entwickelt hatte. Damals glaubte ich, dass ich dieses Leben nicht mehr weiterleben könnte. Ich fühlte mich kraft- und mutlos, war völlig erschöpft - am Ende meiner Kräfte, unglaublich frustriert und pessimistisch. Von heute auf morgen habe ich mich selbst nicht mehr wiedererkannt, mich selbst als furchtbar fremd empfunden. Bei mir führte das zu heftiger Verzweiflung und zu einer extremen Wut auf mich und meine Unfähigkeit, mit dieser Welt, die mir plötzlich ebenfalls furchtbar fremd war, nur noch schwarz erschien und die ich als absolut abstoßend empfand, irgendwie klar zu kommen.


Ich habe viel Zeit gebraucht, um den Zustand, in dem ich mich nun befand und teilweise auch heute noch befinde, so einigermaßen für mich zu akzeptieren. Nicht zuletzt habe ich es der Geduld des Teams der Krankenhausabteilung zu verdanken, dass ich heute besser mit mir und meiner Geschichte umgehen kann und der Zukunft etwas optimistischer entgegen sehe, auch wenn ich weiß, dass ich noch ein schweres Stück Arbeit vor mir habe. Aber ich werde es schaffen!!!


Das Tagebuch wurde nach ca. sechs Wochen Klinikaufenthalt für mich zu einem wichtigen Begleiter. Eröffnete es mir doch die Möglichkeit zu "kommunizieren", etwas, wozu ich aktuell nicht in der Lage war. Immer wieder "versagte" ich in den Therapien, deren Grundlage die mündliche Kommunikation war. Ich hatte ständig das Gefühl, einen dicken Kloß im Hals zu haben; wenn ich etwas sagen wollte, brachte ich oft kein Wort heraus. Und immer wieder hatte ich auch das Gefühl einer unendlichen Leere im Kopf oder auch das Gefühl, dass sich die Gedanken überschlugen, sich nicht greifen und schon gar nicht aussprechen ließen. Oft war ich verzweifelt oder auch wütend, weil es mir nicht gelang, das zu sagen, was ich eigentlich sagen wollte. Ich kam mir nicht selten vor, wie der größte Depp, wie ein Versager auf allen Linien. Immer mehr machte sich in mir das Gefühl der totalen Einsamkeit breit, trotz der vielen Menschen, die in der Klinik waren. Es war eine ganz besondere Einsamkeit: eine innere Einsamkeit, die mich schrecklich fertig gemacht hat. Heute ist mir klar, dass diese Einsamkeit aus einer furchtbaren Angst vor vielem resultierte: Angst vor meinen Gefühlen, die ich immer wieder wegdrückte, Angst vor meinen Erinnerungen, die ich ebenfalls tief in mir vergraben hatte, Angst vor dem Urteil anderer Menschen, Angst vor meinem eigenen Urteil und nicht zuletzt Angst vor Veränderungen.


Das Schreiben des Tagebuches fiel mir anfangs ausgesprochen schwer, denn ich hatte inzwischen eine Aversion gegen jegliche Form von Papier entwickelt, konnte meine Gedanken kaum auf eine Aufgabe konzentrieren, fühlte mich oft völlig leer und unfähig, so dass ich lange Zeit nur aufschrieb, was an dem Tag geschehen war. Später konnte ich dazu übergehen, schriftlich über Probleme nachzudenken, was mir half, mit diesen Problemen etwas besser umzugehen, denn lange Zeit hatte ich das Gefühl, von ihnen überrollt zu werden, was mir immer und immer wieder Angst machte. Manchmal habe ich mein Tagebuch mit in die Gesprächstherapie genommen. Es sollte mir helfen, Gedanken, die ich nicht in der Lage war auszusprechen, tatsächlich mit jemandem (meiner Ärztin; die zugleich meine Therapeutin war) zu teilen. Und es half mir. Das Schreiben half mir unglaublich gut, mich mit mir und meinen Problemen auseinanderzusetzen und den Kontakt zu Menschen, zu meiner Ärztin und Therapeutin irgendwie herzustellen.

Einsamkeit

Einsamkei

Einsamke
Einsamk
Einsam
Einsa
Eins
Ein
Ei
E
Ei
Ein
Eins
Einsa
Einsam
Einsamk
Einsamke
Einsamkei
Einsamkeit


"Gegen die Schmerzen 
der Seele gibt es nur 
zwei Heilmittel: 
Hoffnung und Geduld." 
(Pythagoras)


TRAURIG

TATENDURSTIG

AGGRESSIV

AUFGEREGT

GENERVT

GLÜCKLICH

EINSAM

ERHEITERT

BEDRÜCKT

BEGEISTERT

UNGLÜCKLICH

UNGETRÜBT

CHANCENLOS

COOL

HILFLOS

 

HOFFNUNGSVOLL


Wer vor seiner Vergangenheit flieht, 
verliert das Rennen."
(T.S.Eliot)

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